Was ist Paläoernährung?

In einem Satz: Essen, das es auch schon vor 100.000 Jahren gab. Auch wenn man nicht weiß, was genau Menschen in der Steinzeit (gemeint ist der komplette Zeitraum vor etwa 10.000 v.Chr.) gegessen haben, wissen wir doch, was sie sicher nicht gegessen haben: Getreide (in größeren Mengen, als man sie von Wildgräsern sammeln kann, Ackerbau gab es nicht), Zucker, Pflanzenöle (kein Ackerbau, kein Mais-, Weizenkeim-, Soja-, oder Rapsöl), Milchprodukte (um damals an die Milch einer Kuh zu kommen, musste man sie töten) außerdem natürlich Geschmacksverstärker, Aromastoffe, Stabilisatoren, kurz alles was eine E-Nummer hat.

Welche Nahrungsmittel wurden gegessen?

Das hängt sehr stark vom Lebensraum ab. In den Tropen und Subtropen wurde, wie man an den Lebensgewohnheiten heutiger Indianerstämme ableiten kann, viel Obst und Knollengemüse (Yams, Maniok) sowie Nüsse, Eier, Fleisch und Fisch gegessen. Bei traditionell lebenden Kulturen sind Zivilisations-krankheiten unbekannt. Je weiter nördlich (oder südlich) man geht, desto saisonaler und spärlicher wurde der Obstkonsum zu Gunsten von Fleisch und Fisch.

Ganz im Norden ernähren sich traditionell lebende Inuit (Eskimos) zu 100% von tierischer Nahrung, und damit komplett kohlenhydratfrei, von Fleisch, Fett und Innereien von Robben, Walen und Fisch. Zivilisationskrankheiten sind trotzdem (oder eher deshalb), wie bei Indianerstämmen aus den tropischen Regionen, praktisch unbekannt.

Warum ist Paläoernährung sinnvoll?

Weil das die Nahrung ist, für die wir gemacht sind. Genetisch sind wir Höhlenmenschen. (Der Begriff "Wir" ist hier sehr begründet, denn kaum eine Tierart hat eine so geringe genetische Variation wie der Mensch. Ein gemeinsamer Vorfahre aller Menschen liegt höchstens 200.000 Jahre zurück: Mitochondrial Eve. Geht man also davon aus, dass es für irgendein Tier eine artgerechte Ernährung gibt, gilt dies um so mehr für den Menschen.)

Kurzer historischer Abriss

Die Entwicklungsgeschichte des Menschen (Gattung „Homo“) begann vor etwa 2,5 Millionen Jahren, seither sind etwa 77.000 Generationen vergangen. Vor 1,9 Millionen Jahren entwickelte sich der Homo erectus (lat. aufgerichtet), bis heute sind dies etwa 60.000 Generationen.

Der moderne Mensch entwickelte sich vor etwa 7000 Generationen. Zucker gibt es erst seit sieben.Der moderne Mensch (lat. Homo sapiens, einsichtsfähiger, weiser Mensch) entwickelte sich vor 200.000 Jahren in den Savannen Afrikas. Seither gab es etwa 7.000 Generationen. Die neolithische Revolution, der Beginn von Ackerbau und Viehzucht im Gebiet Mesopotamiens (also etwa des heutigen Iran, Irak), fand vor 10.000 Jahren oder 370 Generationen statt. Seither sind Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte in großen Mengen verfügbar und bilden die Grundlage der Nahrung.

Die industrielle Revolution, die Zucker für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich machte, begann um 1850 (7 Generationen). Eine Nahrungsmittelindustrie, die fertige Gerichte mit Aroma- und Farbstoffen, Stabilisatoren und Geschmacksverstärkern anbietet, entwickelte sich erst vor etwa 100 Jahren (oder 4 Generationen).

Zusammenfassung

Das heißt: Getreide, Hülsenfrüchte und Milchprodukte wurde in den letzten 0,5%, Zucker in den letzten 0,01%, „Junk Food“ in den letzten 0,005% der Menschheitsgeschichte verfügbar. Dies ist zu kurz für eine genetische Anpassung.

Glaubt man, dass die Wahl der Nahrung Einfluss auf die Gesundheit hat, insbesondere Zivilisationskrankheiten auslöst oder zumindest begünstigt, sollte man vielleicht zuerst unter den Nahrungsmitteln suchen, die gleichzeitig mit diesen Krankheiten aufgetaucht sind und nicht unter jenen, die bereits Millionen Jahre vor dem Auftreten der Krankheiten gegessen wurden.

Weiterführende Informationen

Nico Richter bietet eine ausführliche Darstellung vieler Thesen rund um die Paläoernährung und beleuchtet diese unter einem wissenschaftlichen und dennoch für den Laien verständlichen Gesichtspunkt.